
Der Fachkräftemangel im Franchise-Sektor ist längst Realität und verschärft sich kontinuierlich. Die Gewinnung, Entwicklung und Bindung gut ausgebildeten Personals ist eine der größten Herausforderungen für die Franchisewirtschaft. Besonders in Branchen wie IT und Gesundheitswesen ist die Knappheit an qualifiziertem Personal hoch. Unbesetzte Stellen führen zu höherer Arbeitsbelastung für bestehendes Personal, was Produktivität und Projektumsetzung beeinträchtigt.
In diesem ultimativen Leitfaden zeigen wir Ihnen bewährte Strategien, mit denen Sie den Fachkräftemangel erfolgreich meistern.
Fachkräftemangel im Franchise-Sektor verstehen
Definition und Bedeutung für Franchise-Unternehmen
Fachkräftemangel bezeichnet den Mangelzustand einer Volkswirtschaft, in dem eine bedeutende Anzahl von Arbeitsplätzen für Arbeitnehmer mit bestimmten Qualifikationen nicht besetzt werden kann, weil auf dem Arbeitsmarkt keine entsprechend qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung stehen. In der Praxis bedeutet dies: Mehr offene Stellen stehen einer geringeren Anzahl an qualifizierten Bewerbern gegenüber.
Die Vakanzzeit bietet einen messbaren Indikator für die Schwere des Problems. Durchschnittlich beläuft sich die Zeit bis zur Besetzung einer Stelle auf 102 Tage. Seit 2010 ist diese Vakanzzeit kontinuierlich gestiegen, was bedeutet, dass es heute gut einen Monat länger als 2011 dauert, bis eine Stelle besetzt werden kann. Für Franchise-Unternehmen entstehen hierdurch erhebliche Wertschöpfungsverluste. Allein der mittels Vakanzdauer abgeleitete volkswirtschaftliche Schaden beträgt bis zu 0,7% des BIP, was rund 5 Milliarden Franken entspricht.
Die Franchisewirtschaft steht vor besonderen Herausforderungen, weil nicht nur einzelne Standorte, sondern ganze Netzwerke von dieser Problematik betroffen sind. Franchise-Geber müssen sowohl ihre eigenen Unternehmensbereiche als auch ihre Franchise-Partner bei der Personalgewinnung unterstützen.
Hauptursachen des Fachkräftemangels in der Franchise-Branche
Der demografische Wandel ist die primäre Ursache für den Fachkräftemangel. Die bis 1964 geborenen Babyboomer gehen allmählich in Pension, wodurch erfahrene Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden, während gleichzeitig weniger junge Leute nachrücken. Bereits im Jahr 2016 sind erstmals mehr inländische Arbeitskräfte aus dem Arbeitsmarkt ausgeschieden als nachgerückt. Die Verrentungswelle der Babyboomer wird ihren Höhepunkt im Jahr 2028 erreichen, dann müssen über 20.000 Erwerbspersonen mehr ersetzt werden als 2015.
Die erwerbsfähige Bevölkerung wird bis 2030 auf 45,9 Millionen schrumpfen. Eine Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung geht davon aus, dass ohne Migration bis 2035 die Zahl der Erwerbstätigen in Deutschland um 15 Prozent schrumpft. In der Schweiz hat der Fachkräftemangel in beiden Sprachregionen zugenommen, besonders ausgeprägt jedoch in der Deutschschweiz mit einem Anstieg von 28%, während die lateinische Schweiz einen Anstieg von 14% verzeichnete.
Weitere Ursachen verschärfen die Situation:
- Digitalisierung und Technologiewandel: Die fortschreitende Digitalisierung und rasche Entwicklung neuer Technologien führen zur Wandlung von Berufen. Den Statistiken zufolge stehen bis 2030 mehr als 35 Prozent aller Berufe vor tief greifenden Veränderungen.
- Attraktivität von Ausbildungsberufen: Viele Ausbildungsberufe im Handwerk und in der Pflege sind wenig attraktiv für Schulabgänger. Dies liegt primär an einem negativen Image dieser Berufe und dem Wunsch vieler junger Menschen, einen akademischen Grad zu erlangen.
- Globale Vernetzung: Gut ausgebildete Fachkräfte haben oft die Möglichkeit, sich ihre Arbeitsstelle auszusuchen. Dies erhöht den Wettbewerb um qualifiziertes Personal.
- Corona-Pandemie: Mit der Pandemie hat sich der Fachkräftemangel weiter verschärft. Branchen, die Personal freistellen mussten, stellten in der Nach-Corona-Zeit fest, dass diese Mitarbeitenden nicht mehr zurückkommen, sondern andernorts Anstellungen gefunden haben.
Betroffene Branchen im Franchise-Bereich
Der Fachkräftemangel zeigt sich besonders ausgeprägt in spezifischen Branchen. Im Gesundheitswesen belegen Spezialisten den ersten Platz im Fachkräftemangel-Ranking, wobei sich die Situation im Vergleich zum Vorjahr weiter verschärft hat. Die größten Engpässe zeigen sich 2024 in Pflege- und Gesundheitsberufen, in Bau- und Handwerksberufen sowie bei Berufskraftfahrern und Erziehern.
Im Gastgewerbe sind derzeit 10.600 Stellen unbesetzt, was 4,3 Prozent aller Stellen entspricht. Die Zahl der offenen Stellen hat sich im ersten Quartal 2022 verdoppelt. Aufgrund der ausbleibenden Hotelgäste und geschlossenen Restaurants während Corona kehrten viele Arbeitnehmende den Branchen den Rücken.
Die IT-Branche zeigt eine differenzierte Entwicklung. Entwickler und Analytiker von Software und IT-Anwendungen belegen den zweiten Platz im Ranking. In der Schweiz waren im ersten Quartal 2022 5.700 Stellen ausgeschrieben, wobei 4,3 Prozent aller Stellen unbesetzt blieben. Die Technologiebranche kämpft schon seit Jahren mit diesem Problem. Die Zahl der ausgeschriebenen Stellen für Polymechaniker hat beispielsweise zwischen Herbst 2021 und Herbst 2023 um 48 Prozent zugenommen.
Das verarbeitende Gewerbe verzeichnet 19.300 offene Stellen, während das Gesundheits- und Sozialwesen 15.900 unbesetzte Stellen aufweist. Ingenieurtechnische und vergleichbare Fachkräfte belegen den dritten Platz im Fachkräftemangel-Ranking und sind unter den Top 10 Berufsgruppen mit deutlichem Fachkräftemangel stark überrepräsentiert.
Auswirkungen des Fachkräftemangels auf Franchise-Systeme
Herausforderungen für Franchise-Geber
Franchise-Systeme stehen vor einem Dilemma. Während in Österreich binnen eines Jahres 100 neue Standorte entstanden und 5200 neue Beschäftigungsverhältnisse geschaffen wurden, mit einem Umsatzanstieg um 500 Millionen Euro auf 12,4 Milliarden, verschärft sich gleichzeitig die Personalsituation dramatisch. Franchise-Geber müssen nicht nur ihre eigene Zentrale mit qualifiziertem Personal ausstatten, sondern auch ihre Partner bei deren Personalgewinnung unterstützen.
Die Organisation der Franchise-Zentrale ist prozessorientiert aufgebaut. Fachleute für Spezialbereiche stellen Konzepte und Instrumente bereit. Fehlt jedoch qualifiziertes Personal in der Zentrale, können diese Unterstützungsleistungen nicht im erforderlichen Umfang erbracht werden. Besonders betroffen sind Bereiche wie Backoffice-Support, Entwicklung neuer Werkzeuge für die Kundengewinnung und die kontinuierliche Verbesserung von Systemprozessen.
Die Investition in die Rekrutierung neuer Partner bedarf einer genauen Analyse. Durch den Wunsch, schnell zu wachsen, werden Nebenkosten oft nicht berücksichtigt. Tatsächlich zeigt sich: Je besser ein System seine Partner im Alltag entlastet, desto stärker baut es eine Bindung auf. Ohne ausreichende Personalressourcen in der Zentrale wird diese Unterstützungsleistung zum Engpass.
Probleme bei der Partner-Rekrutierung
Die Rekrutierung von Franchise-Partnern ist an vielen Stellen kaputt. Die aktuelle Praxis konzentriert sich zu oft auf Volumen und Geschwindigkeit. Schnelle Trichter, Abschlusskurse und Vertriebs-KPIs dominieren den Prozess. Wenn Erschwinglichkeit zum einzigen Filter wird, entsteht eine gefährliche Denkweise: Es spielt keine Rolle, wer sich anschließt, solange die Person bezahlen kann.
Diese Herangehensweise führt zu Fehlausrichtungen auf allen Ebenen. Franchisenehmer teilen die Markenwerte nicht, sind nicht auf die Realitäten der Unternehmensführung vorbereitet, und Support-Teams brennen beim Versuch aus, schlechte Passformen zu beheben. Die Minus-Eins-Phase, die vorvertragliche Phase, ist von immenser Bedeutung. Der erste Eindruck prägt die gesamte Qualität der Partnerschaft und den Umgang der Partner langfristig.
Junge Franchisesysteme stehen unter besonderem Druck. Da sie rasch wachsen wollen, ist die Fehleranfälligkeit besonders groß. Interessenten abzulehnen fällt schwer, dennoch hilft ein klares Anforderungsprofil, folgenschwere Fehlentscheidungen zu vermeiden. Ein weiterer Top-Performer meldet sich und verlässt das Unternehmen innerhalb von 18 Monaten. Ein weiterer High-Potential-Betreiber verbraucht mehr Zeit, als er Wert liefert.
Operationelle Einschränkungen und Wachstumshemmnisse
Die Kosten falscher Partnerauswahl sind nicht nur finanzieller Natur, sondern auch kulturell, betrieblich und reputationsbezogen. Frühe Exits stören den Betrieb und die Markenstabilität. Franchisenehmer untergraben die Moral und Kultur des Teams. Gestiegene Anforderungen an die Unterstützung und Konfliktlösung vor Ort belasten die Ressourcen.
Am schädlichsten ist das Signal an das Netzwerk: Jeder kann beitreten, solange er bezahlen kann. Dies ist weder skalierbar noch nachhaltig. Dennoch nutzen erfolgreiche Franchise-Systeme ihre Struktur, um effizienter zu werden. Dazu gehört die kontinuierliche Verbesserung des Backoffice, die Ausweitung von Unterstützungsleistungen sowie die Entwicklung neuer Werkzeuge.
Franchise-Konzepte setzen zwingend auf klare Positionierung und ein deutliches Alleinstellungsmerkmal. Systeme, die erfolgreich bleiben wollen, konzentrieren sich konsequent auf ihre Stärken und konsolidieren ihre Prozesse. Diese Fokussierung auf Qualität bildet einen Kontrast zur Wirtschaft insgesamt. Folglich wird die Rekrutierung zur markenbildenden Funktion, die langfristige Gesundheit über kurzfristige Erfolge stellt.
Strategien zur Gewinnung von Fachkräften für Ihr Franchise
Innovative Recruiting-Methoden im Franchise
Erfolgreiche Personalgewinnung im Franchise erfordert einen durchdachten Mix verschiedener Kanäle. Online-Maßnahmen bilden das Herzstück moderner Rekrutierung. Eine für Suchmaschinen optimierte Website und ein informativer Blog adressieren die Fragen der Zielgruppe und positionieren uns als Experte in der Branche. Der gezielte Einsatz relevanter Keywords hilft dabei, von potenziellen Interessenten bei Google gefunden zu werden.
Die Präsenz auf nationalen und internationalen Franchise-Portalen ist unerlässlich, da diese Plattformen von vielen potenziellen Gründern als erste Anlaufstelle genutzt werden. Karrierenetzwerke wie LinkedIn ermöglichen die gezielte Ansprache von Fach- und Führungskräften. Wir teilen Erfolgsgeschichten bestehender Franchisenehmer und geben Einblicke in unser System. Gezielte Werbeanzeigen auf Google Ads oder in sozialen Netzwerken erhöhen die Reichweite und generieren qualifizierte Leads.
Offline-Kanäle behalten trotz digitaler Dominanz ihre Bedeutung. Franchise-Messen bieten ideale Gelegenheiten für persönliche Gespräche und Systempräsentationen. Anzeigen in branchenrelevanten Fachzeitschriften erreichen spezifische Zielgruppen. Ein starkes Netzwerk in der Branche generiert wertvolle Empfehlungen von Geschäftspartnern, Beratern oder anderen Franchisenehmern.
Employer Branding für Franchise-Systeme aufbauen
Der Aufbau einer starken Arbeitgebermarke ist für Franchise-Systeme obligatorisch. Diese Markenbildung muss auf alle Bezugsgruppen eindeutig und konsistent erfolgen. Grundsätzlich umfasst Employer Branding alle Maßnahmen des normalen Brand Marketing-Mixes, wobei Markenwerte und Markenpositionierung die Grundlage bilden.
Eine starke und positiv wahrgenommene Marke dient als entscheidender Anziehungsfaktor für potenzielle Partner. Dazu gehören ein klares Alleinstellungsmerkmal, ein professioneller Markenauftritt und transparente Kommunikation der Unternehmenswerte. Die Employer Value Proposition definiert das zentrale Nutzenversprechen an aktuelle und zukünftige Mitarbeitende und macht deutlich, was das Unternehmen als Arbeitgeber einzigartig macht.
Ein starker Online-Auftritt ist unverzichtbar. Digitale Plattformen wie LinkedIn, Xing oder Instagram bieten Möglichkeiten, Werte, Projekte und den Arbeitsalltag sichtbar zu machen. Bewegtbilder erzeugen Emotionen und schaffen Vertrauen. Firmen- und Mitarbeitervideos werden bereits von vielen Unternehmen im Employer Branding mit großem Erfolg eingesetzt.
Zufriedene Mitarbeitende, die positiv über ihren Arbeitsplatz sprechen, tragen wesentlich zum positiven Image bei. Gleichzeitig hilft ehrliche Kommunikation, die Arbeitgeberattraktivität zu steigern. Wir stehen zu dem, was wir nicht können, und streichen heraus, was wir stattdessen anbieten.
Active Sourcing und direkte Kandidatenansprache
Active Sourcing dreht den traditionellen Rekrutierungsprozess um: Wir bewerben uns mit einer offenen Stelle beim Kandidaten. Mittlerweile wird jede zehnte Stelle über Active Sourcing besetzt. Diese Methode ermöglicht die direkte Ansprache geeigneter Talente, auch wenn diese nicht aktiv nach neuen Stellen suchen.
Vier bewährte Active-Sourcing-Methoden haben sich etabliert:
- Profile Mining: Wir recherchieren auf Business-Netzwerken wie XING oder LinkedIn aktiv nach Kandidaten und kontaktieren sie über private Nachrichten. Bei der Rekrutierung internationaler Kandidaten bieten länderspezifische Plattformen wie Maimai in China zusätzliche Chancen.
- Boolesche Suche: Über Suchmaschinen nutzen wir bestimmte Keywords und Boolesche Befehle zur Eingrenzung der Suchergebnisse.
- Karriereevents: Persönliche Gespräche auf Jobmessen oder Recruiting-Tagen ermöglichen schnelleren Beziehungsaufbau und direkte Überprüfung von Qualifikationen.
- Referral Sourcing: Wir prüfen das Business-Netzwerk unserer Angestellten, um nach potenziellen Kandidaten zu suchen.
Die Erstansprache erfordert personalisierte Kommunikation. Standardisierte Nachrichten führen selten zum Erfolg. Knapp die Hälfte der befragten Teilnehmer wünscht sich eine Ansprache mit persönlichem Bezug. Kurze Nachrichten funktionieren besser, da die meisten am Smartphone gelesen werden.
Internationale Rekrutierung nutzen
Die zunehmende Akzeptanz von Remote-Arbeit gibt uns Zugang zu einem globalen Talentpool. Spezialisierte Berater unterstützen bei internationaler Expansion und der Vermittlung von Masterpartnern. Grenzüberschreitende Expansion erfolgreicher Franchisekonzepte in Ländermärkte wie Schweiz, Deutschland, Österreich und Skandinavien erfordert Konzeptanpassungen und die Auswahl des richtigen Landes.
Mitarbeiterentwicklung und Qualifizierung im Franchise-Netzwerk
Strukturierte Schulungsprogramme etablieren
Franchise-Schulungsprogramme werden methodisch entwickelt, um sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter ein klares Verständnis der Unternehmensziele, der Erwartungen an bestimmte Rollen und der Anforderungen zur Erfüllung der festgelegten Aufgaben haben. Die Grundausbildung für neue Franchisepartner ist elementarer Bestandteil einer Gründung im Franchising. Das Basistraining beinhaltet vor allem den Know-how-Transfer auf die neuen Franchisepartner und deren Mitarbeiter, wenn diese von Anfang an vorhanden sind.
Die Schulung findet an verschiedenen Orten statt. Als Ausbildungsort dient in der Regel der Pilotbetrieb oder Ursprungs-Betrieb oder die Zentrale des Franchisegebers. Vor-Ort-Schulungen werden für die meisten neuen Franchisenehmer als vorteilhaft angesehen, da sie auf den Erfolg vorbereiten und bei den ersten Schritten kontinuierlich vom Franchisegeber unterstützt werden. Darüber hinaus umfassen Vor-Ort-Schulungen in der Regel auch die Einarbeitung neuer Mitarbeiter.
Moderne Franchise-Systeme setzen auf Blended-Learning-Programme. KFC hat beispielsweise ein kontinuierliches Franchise-Schulungsprogramm entwickelt, das aus einer einwöchigen Standard-Einführung, zwei Wochen Online-Schulung und vier Wochen Vor-Ort-Schulung an einem zertifizierten Standort besteht, zusätzlich zu regelmäßigen Online-Schulungen für Manager nach Bedarf. Diese Kombination ermöglicht Franchisenehmern das passive Lernen in ihrer eigenen Zeit.
Die Einrichtung eines Lernmanagementsystems bildet eine kosteneffiziente Plattform, in die Schulungsmaterialien hochgeladen werden können, die Franchisenehmer und ihre Mitarbeiter in ihrem eigenen Tempo anschauen können. Je früher diese Plattform eingerichtet wird, desto schneller entwickelt sie sich zu einem umfassenden Angebot an Schulungsmaterialien.

Franchise-Partner in der Personalentwicklung unterstützen
Viele Franchise-Nehmer finden sich zum ersten Mal in ihrem Leben in der Situation, als Arbeitgeber und Chef eigene Mitarbeiter zu führen. Das Franchise-System kann hier unterstützen, indem Erfahrungen und Know-how in der Mitarbeiterführung vermittelt werden. In den meisten der Franchise-Systeme ist das Thema Mitarbeiterführung bereits Inhalt der Grundausbildung und der laufenden Trainings.
Neben einer starken Marke und erprobten Marketingkonzepten stellt die Qualifizierung der Franchise-Nehmer und deren Mitarbeiter eine unverzichtbare Leistung des Franchise-Gebers dar. Erst die professionelle Grundschulung, das Training on the job und laufende Weiterbildungsmaßnahmen ermöglichen dem Franchise-Nehmer die konsequente Umsetzung des Konzeptes. Gleichzeitig bieten Franchisesysteme ihren Franchisepartnern meist Möglichkeiten zur Weiterbildung, die von spezifischen Fachschulungen über betriebswirtschaftliche Bildungsangebote bis hin zu individuellen Verkaufstrainings reichen.
Indes müssen wir auch das Team in der Systemzentrale berücksichtigen. Von der Einschulung neuer Mitarbeiter in das Thema Franchising allgemein und in unser Franchise-System über generelle Teamtrainings zur Stärkung des Zusammenhalts bis hin zum Training der Franchise- und Partnermanager sollte die Bandbreite unserer Trainings reichen.
Karrierepfade und Aufstiegsmöglichkeiten schaffen
Nachdem einzelne Franchisenehmer erfolgreich etabliert sind, initiieren die meisten Franchisegeber Schulungsprogramme, die auf die Fortbildung von Führungskräften in einer Region oder sogar auf die Umschulung und Weiterqualifizierung von Mitarbeitern für höhere oder technische Positionen ausgerichtet sind. Diese Entwicklungsperspektiven motivieren Mitarbeitende und schaffen Bindung ans System.
Franchising wird daher auch als Unternehmerschule bezeichnet. Regelmäßige Workshops und Schulungen bieten sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten. Durch intensive Onboarding-Programme, kostenfreie interne Schulungen und ausführliche Trainings zum Aufbau der Niederlassung stehen wir von Anfang an bestmöglich zur Seite.
Kooperationen mit Bildungseinrichtungen
Kooperationen zwischen Unternehmen und regionalen Bildungseinrichtungen sind einer der wichtigsten Bausteine für wirksame berufliche Orientierung. Unternehmen bieten Expertenwissen und praxisnahe Einblicke in die Arbeitswelt. Durch enge Kooperationen werden talentierte Nachwuchskräfte gezielt angesprochen und gewonnen.
Zudem profitieren wir von Zuschüssen der Bundesagentur für Arbeit für Weiterbildung. Die Erstattung der Weiterbildungskosten beträgt 100 Prozent, zudem erstattet die Agentur für Arbeit für die Zeit der Weiterbildung 75 Prozent des Gehaltes und in der Regel die pauschalisierten Sozialversicherungsanteile. Diese Förderung macht unser Franchisesystem für Mitarbeitende im Bereich der Weiterbildung noch attraktiver.
Mitarbeiterbindung im Franchise-System stärken
Mitarbeiterbindung im Franchise-System entscheidet über langfristigen Erfolg. Nach Investitionen in Rekrutierung und Qualifizierung gilt es, wertvolle Fachkräfte dauerhaft zu halten. Professionelles Personalmanagement bildet dabei einen entscheidenden Faktor für jedes Franchise-System und jeden einzelnen Franchise-Nehmer.
Flexible Arbeitsmodelle implementieren
Flexible Arbeitsmodelle ermöglichen Mitarbeitenden, Arbeitszeit und -ort ihren Bedürfnissen anzupassen. Das Ergebnis sind zufriedene Angestellte und höhere Produktivität. Ein Viertel der befragten Teilzeitbeschäftigten wäre bereit, das Arbeitspensum zu erhöhen, wenn sie flexiblere Arbeitszeiten hätten. Dieser Aspekt adressiert direkt den Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen.
Flexible Arbeitsmodelle bedeuten für Mitarbeitende mehr Wertschätzung und bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Zufriedenere Mitarbeitende kündigen seltener. Darüber hinaus sind ausgeruhte und weniger gestresste Mitarbeitende motivierter und produktiver. Studien zeigen: Mitarbeiter, die ihre Arbeitszeiten flexibel gestalten können, sind oft produktiver. Flexible Arbeitszeiten stärken die Mitarbeiterbindung und verringern die Fluktuation.
Die gängigsten Modelle umfassen Homeoffice, Gleitzeit und Teilzeitmodelle. Bevor wir flexible Arbeitsmodelle einführen, müssen wir die Bedürfnisse unserer Mitarbeitenden kennen. Wir klären ab, ob Mitarbeitende einen zusätzlichen freien Tag wünschen oder eher im Homeoffice arbeiten möchten. Eine verständliche Kommunikation der Maßnahmen ist obligatorisch. Die Belegschaft muss nachvollziehen können, welche Vorteile für sie entstehen.
Die Umsetzung erfordert strategische Planung, klare Kommunikation und geeignete Technologien. Wir formulieren klare Ziele: Geht es um Work-Life-Balance oder steht die Steigerung von Produktivität im Vordergrund. Technologien wie Videokonferenzsysteme, Projektmanagement-Software und Cloud-basierte Dokumentenablage sind unerlässlich. Schulungen helfen, das Verständnis für neue Modelle zu fördern. Angestellte müssen ihre Zeit eigenständig organisieren und Verantwortung für Aufgaben tragen lernen.
Attraktive Vergütungsmodelle gestalten
Eine faire und leistungsgerechte Bezahlung ist Grundvoraussetzung. Vergütungsmodelle müssen Fairness und Transparenz fördern, um das Vertrauen der Mitarbeiter zu sichern. Der Hauptgrund für Kündigungen ist zu geringe Entlohnung. Wir benötigen fundiertes Wissen rund um Gehaltsstrukturen, um Fairness und Transparenz sicherzustellen.
Über das Fixgehalt hinaus schaffen Boni, betriebliche Altersvorsorge, Aktienoptionen oder flexible Benefits wie Mobilitätszuschüsse sowie Gesundheitsbudgets zusätzliche Anreize. Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld spielen eine wichtige Rolle in der Attraktivität eines Vergütungssystems. Diese zusätzlichen Zahlungen bieten finanzielle Unterstützung in besonderen Zeiten des Jahres, was Zufriedenheit und Motivation steigert.
Gewinnbeteiligung und Aktienoptionen ermöglichen es Mitarbeitenden, aktiv am Erfolg des Unternehmens teilzuhaben. Durch die Beteiligung am Unternehmenserfolg fühlen sich Mitarbeiter stärker mit dem Unternehmen verbunden und sind bereit, sich mehr einzubringen. Die Einbeziehung der Mitarbeitenden in die Analysephase steigert die Akzeptanz für neue Vergütungssysteme erheblich.
Unternehmenskultur und Werte im Franchise kommunizieren
Eine Unternehmenskultur, die auf Respekt, Offenheit und gegenseitiger Anerkennung basiert, schafft ein positives Arbeitsumfeld. Dazu gehören konstruktive Feedbackkultur, transparente Kommunikation, faire Behandlung sowie echtes Interesse an den Menschen hinter den Rollen. Angestellte, die sich wertgeschätzt und ernst genommen fühlen, identifizieren sich stärker mit ihrem Arbeitgeber.
In wachsenden Franchise-Systemen ist exzellente Kommunikation entscheidender als fast alles andere. Eine zentrale Kommunikationsplattform als Herzstück der Franchise Software bündelt alle wichtigen Kanäle. Offene, transparente und wertschätzende Kommunikation, unterstützt durch die richtigen digitalen Werkzeuge, schafft Zusammengehörigkeit und Vertrauen. Sie verwandelt eine reine Geschäftsbeziehung in eine echte Partnerschaft.
Franchisegeber und Franchisenehmer sollten sich als Teil einer Unternehmenskultur identifizieren, die eine klare Vision und Mission verfolgt. Das Unternehmensleitbild definiert Werte, Ziele und Vision und dient als Leitfaden für das Handeln aller Mitarbeiter. Ein Unternehmen, das sein Leitbild konsequent kommuniziert, schafft eine gemeinsame Identität und ein Gefühl der Zugehörigkeit, was Mitarbeiterzufriedenheit und Bindung erhöht.
Praktische Maßnahmen zur langfristigen Bewältigung
Digitale Tools für effizientes Personalmanagement
HR-Tools digitalisieren, vereinfachen und optimieren administrative Prozesse im Personalmanagement. Diese digitalen Lösungen erfassen, verwalten, bearbeiten und werten personenbezogene Daten zentral an einem Ort aus. Mehr als die Hälfte (53%) der befragten Unternehmen berichtet, dass das Interesse des Managements an Personaldaten in den letzten 18 Monaten zugenommen hat. Indes fehlen oft technologische Voraussetzungen: 52% geben an, dass keine Systeme existieren, um notwendige Informationen und Erkenntnisse über Personalanforderungen und -trends zu generieren.
Eine cloudbasierte Plattform etabliert eine Single Source of Truth. Im Gegensatz zu isolierten, statischen Excel-Tabellen versorgen moderne Plattformen HR-, Finanz- und Abteilungsleiter mit Echtzeitdaten. Zentrale Vorteile umfassen Zeitersparnis durch Automatisierung von Routineaufgaben, verbesserte Prozesse, alle Daten an einem Ort sowie wertvolle Erkenntnisse für strategische Entscheidungen. Mit der Einführung von Personio konnten zentrale Herausforderungen im Datenschutz gelöst werden, was nicht nur die Qualität des Recruitings steigert, sondern auch für ein gutes Gefühl bei der Datenverarbeitung sorgt.
Franchise-spezifische Talentpools aufbauen
Ein Talent-Pool ermöglicht bei Bedarf die Kontaktaufnahme mit potenziellen Mitarbeitern, die am besten passen und bereits kennengelernt wurden. Talent-Pools verkürzen die Suchzeit erheblich, da Vorstellungsgespräche bereits geführt wurden und viele Daten vorliegen. Darüber hinaus ergibt sich eine merkliche Kostenersparnis: Weniger Zeitinvestition bedeutet meist auch weniger Geldaufwand.
Beim Aufbau definieren wir klare Richtlinien über Erwartungen und erforderliche Fähigkeiten. Typische Anlaufstellen für Talente sind Messen, Empfehlungen und Hochschulen. Kategorien wie Position, Abschluss und Qualifikation schaffen Ordnung. Der kontinuierliche Kontakterhalt stärkt die Verbindung und schafft die Basis für langfristige Arbeitgeber-Arbeitnehmer-Beziehungen.

Best Practices erfolgreicher Franchise-Unternehmen
Weniger als die Hälfte (45%) der Unternehmen hat sich bisher langfristig Gedanken zum Fachkräftemangel gemacht. Erfolgreiche Franchise-Systeme zeigen mehr Flexibilität bei Einstellungskriterien. Nur 8% bezeichnen sich als sehr flexibel beim Einstellen weniger erfahrener Kandidaten mit Weiterbildungsmöglichkeiten. Zudem nutzen führende Unternehmen Interim-Mitarbeiter, die temporär einsteigen und nötige fachliche Skills mitbringen.
Zukunftsorientierte Personalplanung
Strategische Personalplanung bereitet Organisationen auf Anforderungen von morgen vor statt lediglich auf Herausforderungen von heute zu reagieren. Unternehmensweite Planung, bei der sich Daten nicht nur auf Finanzen und HR beschränken, ermöglicht Planung über unmittelbare Ziele hinaus. HR und Finanzwesen arbeiten gemeinsam, um Personalplanung auf übergreifende Unternehmensziele abzustimmen. Szenariosimulationen modellieren Belegschaftsgröße, -struktur und -kompetenzen unter Berücksichtigung strategischer Ziele, Marktdynamik und betrieblicher Einschränkungen.
Schlussfolgerung
Der Fachkräftemangel im Franchise-Sektor erfordert strategisches Handeln auf allen Ebenen. Wir haben bewährte Ansätze von innovativen Recruiting-Methoden über strukturierte Schulungsprogramme bis hin zu flexiblen Arbeitsmodellen vorgestellt.
Entscheidend ist die Kombination dieser Strategien. Erfolgreiche Systeme konzentrieren sich nicht nur auf die Gewinnung neuer Talente, sondern investieren gleichzeitig in die Entwicklung und Bindung bestehender Mitarbeitender.
Beginnen Sie jetzt mit der Umsetzung dieser Maßnahmen. Definieren Sie klare Prioritäten für Ihr System, nutzen Sie digitale Tools zur Prozessoptimierung und bauen Sie eine starke Arbeitgebermarke auf. Langfristiger Erfolg entsteht durch konsequente Personalarbeit und echte Wertschätzung Ihrer Teams.
FAQs
Q1. Was sind die Hauptursachen für den Fachkräftemangel in Franchise-Unternehmen? Der demografische Wandel ist die Hauptursache: Die Babyboomer-Generation geht in Rente, während weniger junge Fachkräfte nachrücken. Zusätzlich verschärfen die Digitalisierung, die geringe Attraktivität bestimmter Ausbildungsberufe und die Folgen der Corona-Pandemie die Situation. Bis 2030 wird die erwerbsfähige Bevölkerung auf 45,9 Millionen schrumpfen, was den Wettbewerb um qualifiziertes Personal weiter intensiviert.
Q2. Welche Branchen im Franchise-Bereich sind besonders vom Fachkräftemangel betroffen? Besonders stark betroffen sind das Gesundheitswesen und die Pflege, wo Spezialisten den ersten Platz im Fachkräftemangel-Ranking belegen. Auch das Gastgewerbe kämpft mit 10.600 unbesetzten Stellen, die IT-Branche verzeichnet erhebliche Engpässe bei Entwicklern und Analytikern, und im Handwerk sowie bei Berufskraftfahrern und Erziehern zeigen sich deutliche Personalknappheiten.
Q3. Wie können Franchise-Systeme ihre Arbeitgebermarke stärken, um Fachkräfte anzuziehen? Eine starke Arbeitgebermarke entsteht durch klare Alleinstellungsmerkmale, transparente Kommunikation der Unternehmenswerte und einen professionellen Markenauftritt. Digitale Plattformen wie LinkedIn und Instagram sollten genutzt werden, um Einblicke in den Arbeitsalltag zu geben. Zufriedene Mitarbeitende, die positiv über ihren Arbeitsplatz sprechen, und authentische Firmenvideos tragen wesentlich zum positiven Image bei.
Q4. Welche Rolle spielen flexible Arbeitsmodelle bei der Mitarbeiterbindung? Flexible Arbeitsmodelle wie Homeoffice, Gleitzeit und Teilzeitoptionen erhöhen die Mitarbeiterzufriedenheit und Produktivität deutlich. Ein Viertel der Teilzeitbeschäftigten wäre bereit, ihr Arbeitspensum zu erhöhen, wenn flexiblere Arbeitszeiten angeboten würden. Zufriedenere und ausgeruhte Mitarbeitende kündigen seltener und sind motivierter, was die Fluktuation im Franchise-System nachweislich verringert.
Q5. Wie unterstützen digitale Tools das Personalmanagement in Franchise-Systemen? Digitale HR-Tools zentralisieren personenbezogene Daten, automatisieren Routineaufgaben und liefern Echtzeitdaten für strategische Entscheidungen. Cloudbasierte Plattformen schaffen eine einheitliche Datenbasis und ersetzen isolierte Excel-Tabellen. Dies spart Zeit, verbessert Prozesse und ermöglicht fundierte Erkenntnisse über Personalanforderungen und -trends, was besonders bei der Bewältigung des Fachkräftemangels entscheidend ist.